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Ausgabe 04/17

Die Ausgabe 4/2017 informiert über die Prävention von Wurzelkaries bei älteren Patienten. Außerdem thematisieren wir eine Studie zur Dentinabrasion durch Weißmacher-Zahnpasten.
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Prävention von Wurzelkaries bei älteren Patienten

Autoren: Gerd Göstemeyer, Sebastian Paris, Falk Schwendicke

 

Quintessenz für das Praxisteam

Die Prävention von Wurzelkaries ist insbesondere bei Senioren wichtig. Bei der intraoralen Untersuchung von älteren Patienten ist auf Hinweise für ein erhöhtes Kariesrisiko, zum Beispiel Mundtrockenheit, zu achten. Das Wurzelkariesrisiko sollte durch Beeinflussung von Risikofaktoren gesenkt und das Neuauftreten oder das Voranschreiten von Wurzelkaries mit kariespräventiv wirksamen Substanzen reduziert werden.

Zusammenfassung

Die Zähne von Senioren unterliegen aufgrund von altersbedingten Veränderungen einem hohen Risiko für die Entstehung von Wurzelkaries. Die restaurative Versorgung von Wurzelkaries ist oft nur eingeschränkt durchführbar: Häufig liegen die Läsionen in schwer zugänglichen Bereichen. Aufgrund von körperlichen oder geistigen Einschränkungen sind pflegebedürftige Senioren häufig nur eingeschränkt behandelbar. Daher besteht bei älteren Patienten ein hoher Bedarf an effektiven und zugleich einfach durchzuführenden Präventionsmaßnahmen. Neben der Beeinflussung von Ernährung, Mundhygiene oder Speichelfluss sollten zusätzlich kariespräventiv wirksame Substanzen eingesetzt werden. Tägliches Zähneputzen mit einer Zahnpasta mit einem Fluoridgehalt von 5.000 ppm oder die Applikation von Silberdiaminfluorid, Chlorhexidin- oder Fluoridlack scheinen die Entstehung oder das Voranschreiten von Wurzelkaries zu reduzieren. Die Evidenz zur Wirksamkeit dieser Maßnahmen basiert jedoch nur auf wenigen klinischen Untersuchungen.

Summary

Due to age-related alterations in the oral cavity, the teeth of older patients are at high risk for root caries formation. As root caries lesions are not always easily assessable by dental instruments and frail older patients are often non-cooperative, restoration of root caries can frequently not be performed in older people. Therefore, there is a high demand for preventive measures that are effective and can, at the same time, easily be applied in this population group. To reduce caries risk in these patients, nutritional behavior, oral hygiene and salivary flow should be controlled. Additionally, caries preventive agents should be applied to people who have a high root caries risk. Self performed or assisted tooth brushing with fluoride toothpaste with 5,000 ppm Fluoride or professional application of silver diamine fluoride, chlorhexidine or fluoride varnish can prevent formation or progress of root caries lesions. However, evidence on the efficacy of these preventive measures is limited due to a low number of available clinical trials.

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Dentinabrasion durch Weißmacher-Zahnpasten: eine In-vitro-Studie

Autoren: G.H.A. Vieira, M.B. Nogueira, E.J. Gaio, C.K. Rosing, S.L. Santiago, R.O. Rego / Übersetzer: Jean-François Roulet

 

Quintessenz für das Praxisteam

Drei Weißmacher-Zahnpasten und zwei Kontroll-Zahnpasten mit ähnlicher Zusammensetzung (hydratisiertes Siliziumdioxid, Tetranatriumpyrophosphat, Pentanatriumtriphosphat, Natriumhexametaphosphat, Trinatriumphosphat) wurden zusammen mit standardisierten Zahnbürsten in einer Zahnbürstmaschine benutzt, um Dentinproben 2.500 Zahnputzbewegungen auszusetzen.
Die Weißmacher-Zahnpasten haben signifikant mehr Dentinverschleiß produziert als die Kontroll-Zahnpasten. Innerhalb der Gruppen gab es keine Unterschiede.


Zusammenfassung

Ziel der Studie: Vergleich der Zahnbürstenabrasion von Weißmacher-Zahnpasten auf der Basis von hydratisiertem Siliziumdioxid im Vergleich zu Kontroll-Zahnpasten (ohne Weißmacherwirkung) auf Wurzeldentin mit Kontakt-Profilometrie.

Materialien und Methoden: Neunzig menschliche Dentinproben (4 x 4 x 2 mm) wurden gemäß der Zahnpastengruppierung zufällig in fünf experimentelle Gruppen (n = 18) aufgeteilt: drei Weißmacher-Zahnpasten (W1, W2 und W3) und zwei Kontroll-Zahnpasten (K1 und K2) von zwei verschiedenen Herstellern. Mit einer Bürstmaschine wurde jede Probe mit einer konstanten Belastung von 300 g für 2.500 Zyklen (4,5 Zyklen/s) gebürstet. Die Zahnpasten wurden in einem Verhältnis von 1:3 Gewicht/Gewicht mit destilliertem Wasser verdünnt. Die Diamantspitze des Profilometers wurde mit einer Last von 0,7 mN und einer konstanten Geschwindigkeit von 0,05 mm/s bewegt.

Ergebnisse: Der Durchschnittswert der Bürstenabrasion in μm (Mittelwert ± Standardabweichung) wurde aus fünf aufeinanderfolgenden Messungen jeder Probe ermittelt: W1: 8,86 μm ± 1,58 μm; W2: 7,59 μm ± 1,04 μm; W3: 8,27 μm ± 2,39 μm; K1: 2,89 μm ± 1,05 μm und K2: 2,9 μm4 ± 1,29 μm.
Es gab einen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen (ANOVA, p < 0,0001). Der Post-hoc-Tukey-Test für multiple Vergleiche zeigte signifikante Unterschiede zwischen der Weißmacher-Zahnpasten-Gruppe und den Kontroll-Zahnpasten, nicht aber innerhalb der jeweiligen Gruppen.

Fazit: Die getesteten Weißmacher-Zahnpasten können mehr Dentinabrasion verursachen als die Kontroll-Zahnpasten.

Summary

Purpose: To compare the effect of tooth brushing abrasion with hydrated silica-based whitening and regular toothpastes on root dentin using contact profilometry.

Materials and Methods: Ninety dentin specimens (4 x 4 x 2 mm) were randomly divided into five experimental groups (n = 18) according to the toothpaste: three whitening (W1, W2 and W3) and two regular toothpastes (control, K1 and K2) produced by two different manufacturers. Using a brushing machine, each specimen was brushed with a constant load of 300 g for 2500 cycles (4.5 cycle/s). The toothpastes were diluted at a ratio of 1:3 w/w (dentifrice:distilled water). The brush diamond tip of the profilometer moved at a constant speed of 0.05 mm/s with a force of 0.7 mN.

Results: The average value of brushing abrasion in μm (mean ± SD) was obtained from five consecutive measurements of each specimen: W1 = 8.86 μm ± 1.58 μm, W2 = 7.59 μm ± 1.04 μm, W3 = 8.27 μm ± 2.39 μm, K1 = 2.89 μm ± 1.05 μm and K2 = 2.94 μm ± 1.29 μm.
There was a significant difference between groups (ANOVA, p < 0.0001). Posthoc Tukey‘s test for multiple comparisons showed differences between all the whitening and regular toothpastes, but not among the whitening nor among the regular toothpastes.

Conclusion: The whitening toothpastes tested can cause more dentin abrasion than the regular ones.

 

Titelfoto: milanzeremski / shutterstock.com

 

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