Interdentalraumhygiene von Jung bis Alt: Welche Hilfsmittel für wen?
Interdentalraumhygiene von Jung bis Alt: Welche Hilfsmittel für wen?
romaset - stock.adobe.com Quintessenz für das Praxisteam
Die Interdentalraumhygiene ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Mundgesundheitspflege und sollte individuell an die Bedürfnisse der Patienten angepasst werden. Besonders bei Kindern und Senioren müssen anatomische und motorische Gegebenheiten berücksichtigt werden. Regelmäßige Demonstrationen und Instruktionen durch zahnmedizinisches Fachpersonal fördern die Compliance und die korrekte Anwendung. In der Praxis ist es essenziell, den Patienten bei der Auswahl der Hilfsmittel anzuleiten, Angehörige oder Pflegepersonal bei Bedarf einzubinden und regelmäßig die Mundhygieneroutine zu überprüfen.
Zusammenfassung
Die Interdentalraumhygiene ist ein essenzieller Bestandteil der Prävention oraler Erkrankungen, da der Interdentalraum mit herkömmlichen Zahnbürsten nur unzureichend gereinigt wird. Die Vermeidung einer Dysbiose im Biofilm steht im Fokus. Epidemiologische Studien zeigen, dass Anwender von Hilfsmitteln zur Interdentalraumhygiene ein signifikant geringeres Risiko für Karies und Parodontalerkrankungen haben, was die Relevanz dieser Maßnahmen betont. Interdentalraumbürsten gelten bei Jugendlichen und Erwachsenen als Mittel der Wahl, während Zahnseide bei engen Approximalkontakten eine Alternative darstellt. Die Evidenz zu weiteren Hilfsmitteln ist bisher gering, allerdings könnten Mundduschen bei eingeschränkter Mitarbeit nützlich sein, etwa bei Jugendlichen mit Multibracketapparaturen. Gummierte Sticks bieten bei jungen Erwachsenen mit gesundem Parodont ebenfalls eine neue Option. Bei Kindern sollten interdentalhygienische Maßnahmen frühzeitig eingeführt werden, wobei der Fokus auf dem Erlernen von Routinen liegt. Solange interdentale Lücken im Milchgebiss bestehen, ist eine spezifische Interdentalraumhygiene meist nicht notwendig. Für Senioren stellen motorische Einschränkungen und Risikofaktoren wie reduzierter Speichelfluss und Wurzelkaries zusätzliche Herausforderungen dar. Pflegepersonal und Angehörige sollten in die Mundhygieneinstruktionen eingebunden werden, um eine effektive Interdentalraumhygiene sicherzustellen. Die seit 2018 eingeführten präventiven Leistungen im BEMA bieten hier wichtige Unterstützung.
Einleitung
Die Interdentalraumhygiene nimmt eine zentrale Rolle bei der Prävention oraler Erkrankungen ein, da der Interdentalraum mit Zahnbürsten – unabhängig davon, ob manuell oder elektrisch – nur unzureichend erreicht wird (1-3). Der verbleibende Biofilm in diesen Bereichen stellt ein Risiko für die Entwicklung von Karies und parodontalen Erkrankungen dar. Eine Plaqueakkumulation im Interdentalraum, insbesondere in Kombination mit weiteren Risikofaktoren, begünstigt die Entstehung einer Dysbiose im Biofilm, was die Entstehung von Gingivitis, die Inzidenz kariöser Läsionen und die Stabilität der parodontalen Situation – insbesondere in der Erhaltungsphase nach systematischer Parodontitistherapie – negativ beeinflussen kann.
Die US-amerikanische National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) aus den Jahren 2011 bis 2014 untersuchte die Beziehung zwischen Zahnzwischenraumreinigung und der Prävalenz von Karies sowie parodontalen Erkrankungen. Anwender von Hilfsmitteln zur Interdentalraumhygiene hatten ein signifikant geringeres Risiko für Parodontalerkrankungen, während die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von mindestens einer kariösen Oberfläche bei Nichtanwendern um 73 % höher lag (4, 5). Diese Ergebnisse, die auf einer Kohorte von knapp 7000 Personen basieren, verdeutlichen die Relevanz interdentalhygienischer Maßnahmen. Eine aktuelle Analyse der Kohorte der Jahre 2015–2018 konnte ähnliche Trends für das Auftreten von Wurzelkaries aufzeigen: Regelmäßige Interdentalraumhygiene reduzierte das Risiko für Wurzelkaries bei 40- bis 64-Jährigen um 40 % (6). Diese Daten zeigen zugleich die Notwendigkeit epidemiologischer Daten auf. Belastbare prospektive Langzeitstudien zur Prävention von Karies und Parodontitis stehen nach wie vor aus, da entsprechende Untersuchungen unter kontrollierten Bedingungen ethische und methodische Herausforderungen mit sich bringen. Die Ergebnisse der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS VI) aus dem Jahr 2023 zeigen, dass die Kariesprävalenz und die Häufigkeit schwerer Parodontalerkrankungen in Deutschland zwar rückläufig sind, der Bedarf an präventiven Maßnahmen jedoch weiterhin hoch ist – insbesondere vor dem Hintergrund des demographischen Wandels (7). Während die Zahl kariesfreier Gebisse bei 12-jährigen Kindern seit 1997 um das Doppelte gestiegen ist und jüngere Erwachsene (35–44 Jahre) im gleichen Zeitraum einen Rückgang des DMF-T-Werts um fast 50 % verzeichnen, erfordert die wachsende Gruppe älterer und pflegebedürftiger Patienten speziell angepasste Präventionskonzepte, gerade weil auch ältere Patienten immer mehr eigene Zähne aufweisen (7).
Interdentalraumhygiene bei Jugendlichen und Erwachsenen
Die Interdentalraumhygiene ist somit ein unverzichtbarer Bestandteil präventiver und unterstützender Therapiemaßnahmen mit dem Ziel, Dysbiosen im Biofilm zu vermeiden und die orale Gesundheit über die gesamte Lebensspanne zu fördern. Die Auswahl der geeigneten Hilfsmittel hängt maßgeblich von den individuellen Anforderungen und Fähigkeiten der Patienten ab. Bei Jugendlichen und Erwachsenen kann zunächst das gesamte Spektrum mechanischer Hilfsmittel in Betracht gezogen werden. Regelmäßige Demonstrationen und Instruktionen durch das zahnärztliche Team tragen dazu bei, die Wirksamkeit zu optimieren und die Anwendung zu erleichtern.
Mechanische Hilfsmittel wie Interdentalraumbürsten, Zahnseide und gummierte Sticks spielen eine zentrale Rolle in der Plaquekontrolle. Zahnhölzer, die zwar einfach in der Anwendung sind und gingivale Blutung vermindern können, bieten keine ausreichende Plaquereduktion (8) und werden daher kaum noch empfohlen. Interdentalraumbürsten hingegen gelten nach aktueller Studienlage als Mittel der Wahl, insbesondere bei Patienten mit Parodontalerkrankungen (9). Entscheidend ist dabei die individuelle Anpassung durch zahnmedizinisches Fachpersonal, um sicherzustellen, dass die Interdentalraumbürsten optimal eingesetzt werden. Eine korrekt ausgewählte Bürste füllt den gesamten Interdentalraum aus und wird mit mittlerem Druck eingeführt. Zu kleine Bürsten führen zu einer unzureichenden Reinigungsleistung, während zu große Bürsten die Gingiva traumatisieren oder Zahnhartsubstanz durch den Drahtkern schädigen können.
Die Auswahl der richtigen Bürstengröße basiert idealerweise auf dem Passage Hole Diameter (PHD), der den kleinsten Durchmesser beschreibt, durch den man eine Bürste mit klinisch relevanter Kraft eingeführt werden kann, ohne sich zu verbiegen (10, 11). Dieses Maß, das in der internationalen Norm DIN EN ISO 16409:2016 definiert ist, erleichtert eine systematische Anpassung und ermöglicht eine zielgerichtete Auswahl durch ein strukturiertes „trial and error“. Allerdings orientieren sich die meisten verfügbaren Interdentalbürstensets am Bürstendurchmesser, welcher jedoch ein unzureichendes Kriterium für die Größenbestimmung darstellt (10). Solche Sets sind häufig nur „scheinbar“ systematisch aufgebaut. Erste Beispiele für ein systematisch aufgebautes Set, das eine aufsteigende Reihenfolge von PHD-Werten bietet, um die Interdentalräume der meisten Patienten effektiv abzudecken, wurden bereits entwickelt (Abb. 1) (12, 13). Besonders bei Parodontalerkrankungen oder Implantaten, bei denen durch Knochenabbau erweiterte und unregelmäßige Interdentalräume entstehen, ist die regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Bürstengröße essenziell (14).
Zahnseide, die bereits seit dem 19. Jahrhundert verwendet wird, bleibt ein weiteres bewährtes Hilfsmittel zur Interdentalraumhygiene und reduziert Plaque und Gingivitis, auch wenn sie in ihrer Effektivität hinter Interdentalraumbürsten zurückbleibt (15). Die fehlende Evidenz aus prospektiven Langzeitstudien zur Prävention von Karies und Parodontitis führte in der Vergangenheit zu Kontroversen, insbesondere im Rahmen des „Flossgate“ (16). Diese Debatte entstand, als die US-amerikanische Regierung ihre Empfehlung zur täglichen Verwendung von Zahnseide zurückzog, was in den Medien breite Aufmerksamkeit erregte. Dennoch bleibt Zahnseide ein wichtiges Hilfsmittel, vor allem bei spezifischen Indikationen. Der Verzicht auf die Empfehlung des Zahnseideneinsatzes wurde auch mit der Techniksensitivität, der fehlerhaften oder unzureichenden Anwendung sowie dem potentiellen Risiko von Verletzungen begründet. Die aktuelle S3-Leitlinie zum mechanischen Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis (9) empfiehlt ihren Einsatz insbesondere bei engen oder verschachtelten Zahnzwischenräumen, während in anderen Fällen Interdentalraumbürsten bevorzugt werden.
Mundduschen, ein weiteres Hilfsmittel, das häufig zur Ergänzung der mechanischen Plaquekontrolle propagiert wird, zeigen eine deutlich geringere Effektivität bei der Entfernung von Plaque (15). Studien dokumentieren jedoch leichte Verbesserungen bei Gingivitis und Sondierungstiefen (15). Interessant ist ihr potenzieller Nutzen bei Patientengruppen mit eingeschränkter Mitarbeit, beispielsweise Jugendlichen mit festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen. In einer Studie bei Jugendlichen mit Multibandapparaturen konnten Mundduschen im posterioren Bereich, wo die Anwendung von Zahnseide oft vernachlässigt wurde, ähnliche Ergebnisse erzielen (17). Auch wenn Mundduschen derzeit nicht als primäres Hilfsmittel empfohlen werden, könnte ihre Effektivität bei neueren Modellen künftig reevaluiert werden.
Gummierte Interdentalsticks sind eine weitere neuere Alternative, die optisch kleinen Interdentalraumbürsten ähneln, jedoch mit elastischen Gumminoppen ausgestattet ist. Sie zeigen bei jungen Erwachsenen mit gesundem Parodont erste vielversprechende Ergebnisse und eine ähnliche Wirksamkeit wie Interdentalraumbürsten, wobei ihre Anwendung in parodontal geschädigten Gebissen noch nicht ausreichend untersucht ist (18). Ein aktuelles systematisches Review, das sechs Studien zu gummierten Sticks einschloss, beschrieb die Evidenz als schwach (18). Die bisherigen Ergebnisse zeigen jedoch, dass diese Hilfsmittel eine praktikable Alternative für jüngere, parodontal gesunde Patienten darstellen könnten.
Interdentalraumhygiene bei Kindern
Untersuchungen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V. aus dem Jahr 2016 zeigen, dass deutschlandweit durchschnittlich 43,6 % der Schulanfänger im Alter von 6 bis 7 Jahren bereits Karieserfahrungen an Milchzähnen aufweisen (19). Prädilektionsstellen im Milchgebiss sind dabei insbesondere die Okklusal- und Approximalflächen der Milchmolaren. Die DMS V aus dem Jahr 2014 zeigte zudem, dass die Art der Zahnbürste (elektrisch oder manuell) und die regelmäßige Anwendung von Zahnseide einen signifikanten Einfluss auf die Kariesprävalenz bei Kindern haben können. So waren 85,9 % der 12-jährigen Kinder, die elektrisch putzen, kariesfrei, während dies bei Kindern mit manueller Zahnpflege nur auf 77,6 % zutraf. Ebenso zeigte sich ein Vorteil bei der Anwendung von Zahnseide: 85,9 % der 12-jährigen Kinder, die regelmäßig Zahnseide verwendeten, waren kariesfrei, verglichen mit 80 % bei denen, die darauf verzichten (20).
Die wissenschaftliche Grundlage für Empfehlungen zu verschiedenen Hilfsmitteln der Interdentalraumhygiene bei Kindern ist allerdings begrenzt. Es fehlen qualitativ hochwertige Studien, die deren Effektivität systematisch untersuchen. Die Empfehlungen stützen sich daher in erster Linie auf klinische Erfahrungen und die Übertragung von Erkenntnissen aus der Erwachsenenpopulation. Mit Durchbruch der ersten Milchzähne sollten Eltern mit der Zahnpflege ihrer Kinder beginnen, um eine frühzeitige Gewöhnung an Mundhygieneroutinen zu fördern. Solange das Milchgebiss größere interdentale Lücken aufweist, ist eine spezifische Interdentalraumhygiene meist nicht notwendig, da die Zahnbürste in Kombination mit der physiologischen Speichelwirkung eine ausreichende Reinigung ermöglicht. Dennoch bietet diese Phase die Gelegenheit, Kindern die Grundlagen der Mundhygiene spielerisch näherzubringen, indem Eltern durch ihr eigenes Verhalten die spätere Anwendung von Zahnseide oder Interdentalraumbürsten vorleben.
Mit fortschreitendem Wachstum, spätestens mit dem Durchbruch der 6-Jahres-Molaren, schließen sich die Lücken zwischen den Zähnen und es entstehen interdentale Kontaktflächen, die eine mechanische Reinigung durch Zahnbürsten allein erschweren. In diesen Fällen stellt Zahnseide ein geeignetes Hilfsmittel dar, insbesondere bei engen Kontaktpunkten, bei denen Interdentalraumbürsten aufgrund der Morphologie der Milchzähne häufig ungeeignet sind. Milchzähne haben im Vergleich zu bleibenden Zähnen flächigere Approximalflächen und einen ausgeprägten zervikalen Schmelzwulst, was die Anwendung von Interdentalraumbürsten erschwert. Die Anwendung von klassischer Zahnseide ist jedoch für Kinder und deren Eltern oft herausfordernd, da für ihre Nutzung beide Hände benötigt werden. Dies erschwert die Unterstützung des Kopfes des Kindes während der Reinigung. Zahnseidehalter können hier einen praktischen Kompromiss darstellen (Abb. 2 und 3) (21). Es ist jedoch zu beachten, dass viele der derzeit erhältlichen Zahnseidehalter nicht optimal sind, da ihnen die für eine präzise Anwendung notwendige Vorspannung fehlt (21).
Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko benötigen eine intensivere Betreuung. Eine besondere Herausforderung stellen Kinder dar, die eine kieferorthopädische Behandlung mit Multiband- bzw. Multibracketapparaturen (MBA) erhalten. Da diese Apparaturen in der Regel erst bei vollständiger bleibender Dentition eingesetzt werden, steigt die Bedeutung einer effektiven Mundhygiene. Die komplexen Strukturen der Apparatur fördern die Ansammlung von Plaque, was das Risiko für Karies und Gingivitis erhöht. Interdentalraumbürsten sollten in diesen Fällen als ergänzendes Hilfsmittel verwendet werden, um auch schwer zugängliche Bereiche um die Brackets und Drähte reinigen zu können. Eine regelmäßige Instruktion und Kontrolle durch das zahnmedizinische Fachpersonal ist hierbei besonders wichtig, um eine korrekte Anwendung sicherzustellen und Langzeitschäden zu vermeiden. Auch Kinder mit Hypomineralisationen (MIH) haben ein erhöhtes Kariesrisiko. Die raue Oberflächenstruktur betroffener Zähne begünstigt die Plaqueakkumulation, was den Einsatz von Hilfsmitteln wie Zahnseide oder ggf. Interdentalraumbürsten oder Interdentalraumsticks erforderlich macht. Mit dem Wechsel zum bleibenden Gebiss können letztere Hilfsmittel häufiger Anwendung finden. Langfristig kann die frühzeitige Einführung von Hygienemaßnahmen im Interdentalraum die Mundgesundheit von Kindern verbessern. Bereits im Kindesalter etablierte Routinen reduzieren das Risiko für Karies und parodontal bedingte Erkrankungen in späteren Lebensphasen. Tabelle 1 gibt einen Überblick über mögliche Hilfsmittel nach Altersgruppe.
Tab. 1: Empfehlungen zur Interdentalraumhygiene nach Altersstufen
| Altersstufe | Zahnseide | Gummierte Interdentalraum-Sticks | Interdentalraumbürsten |
|---|---|---|---|
| Kleinkinder (0–3 Jahre), lückiges Milchzahngebiss | – | – | – |
| Kindergartenkinder (ca. 3–6 Jahre), lückiges Milchzahngebiss | – | – | – |
| Schulkinder (ca. 6–13 Jahre), Engstände bei besonderen Risikofaktoren (z. B. MBA, MIH) | + | – | Heranführen möglich |
| Teenager (ca. 13–18 Jahre), bei besonderen Risikofaktoren (z. B. MBA, MIH) | + | Heranführen möglich | + |
| Erwachsene | ggf. bei kleinen Interdentalräumen und gesundem Parodont; bei Engständen, die eine Passage von Interdentalraumbürsten nicht zulassen | + | + |
| Senioren | ggf. bei kleinen Interdentalräumen, gesundem Parodont, geringem Attachmentverlust; bei Engständen, die eine Passage von Interdentalraumbürsten nicht zulassen | + | + |
| Pflegebedürftige | – | ggf. bei Engständen, die eine Passage von Interdentalraumbürsten nicht zulassen | + |
MBA = Multibandapparatur; MIH = Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation
Interdentalraumhygiene bei Senioren mit eingeschränkter Mundhygienefähigkeit
Mit zunehmendem Alter und nachlassenden motorischen sowie kognitiven Fähigkeiten wird die Umsetzung einer adäquaten Plaquekontrolle zu einer Herausforderung. Hinzu kommen Faktoren wie Polypharmazie und reduzierte Speicheldrüsenaktivität, die den Speichelfluss verringern und das Risiko für orale Erkrankungen wie Parodontitis oder Wurzelkaries erhöhen. Neben isoliert stehenden Zähnen, größeren Schaltlücken und freiliegenden Wurzeloberflächen erschweren zunehmend auch vermehrt vorhandene implantatgetragene Suprakonstruktionen und Brücken die Interdentalraumhygiene.
Die Maßnahmen zur Interdentalraumhygiene sollten daher individuell an die Fähigkeiten und Einschränkungen der Patienten angepasst werden. Insbesondere Pflegebedürftige profitieren von den seit 2018 im BEMA verankerten präventiven Leistungen, die eine strukturierte zahnmedizinische Betreuung ermöglichen. Nach einer professionellen Zahnreinigung ist eine gezielte Anpassung von Interdentalraumbürsten sinnvoll, da Zahnseide aufgrund motorischer Einschränkungen meist nicht praktikabel ist. Bürsten mit stabilen Griffen oder zusätzlichen Verstärkungen erleichtern die Anwendung erheblich und sollten bevorzugt empfohlen werden.
Häufig fällt es älteren Patienten schwer, ihre individuellen Einschränkungen offen zu kommunizieren. Um die Fähigkeiten zur Interdentalraumhygiene realistisch einzuschätzen, bietet sich ein gemeinsames Einüben der Techniken vor einem Spiegel an. Dies ermöglicht nicht nur eine objektive Beurteilung der motorischen Fertigkeiten, sondern stärkt zugleich die Compliance. Falls eine Unterstützung durch Pflegekräfte oder Angehörige notwendig ist, sollten diese aktiv in die Prophylaxesitzungen einbezogen werden. Idealerweise werden die notwendigen Maßnahmen direkt demonstriert, um die Umsetzung im Alltag sicherzustellen. Ist dies nicht möglich, können zahnärztliche Instruktionen gemäß § 8 der Richtlinie nach § 22a SGB V schriftlich übermittelt werden, um auch hier eine adäquate Interdentalraumhygiene zu gewährleisten.
Schlussfolgerung
Die Wirksamkeit interdentaler Hygienemaßnahmen ist durch zahlreiche Studien belegt und sollte als integraler Bestandteil zahnärztlicher Präventionsstrategien verstanden werden. Entscheidend ist die Auswahl auf Basis klinischer Befunde, anatomischer Gegebenheiten sowie der manuellen Fähigkeiten des Patienten. Dies erfordert eine fundierte Diagnostik, regelmäßige Reevaluation sowie die interprofessionelle Einbindung von Pflegepersonal und Angehörigen bei vulnerablen Patientengruppen. Nur durch eine strukturierte, alters- und risikoadaptierte Integration interdentaler Maßnahmen in die präventive Versorgung lassen sich die Potenziale zur Förderung und Erhaltung der oralen Gesundheit über die Lebensspanne hinweg ausschöpfen.
Autoren: PD Dr. med. dent. Caroline Sekundo, Prof. Dr. med. dent. Cornelia Frese, Dr. med. dent. Hanna Hieronymus (Poliklinik für Zahnerhaltungskunde, Sektion für Präventive und Restaurative Zahnheilkunde, Klinik für Mund-, Zahn- und Kieferkrankheiten, Universitätsklinikum Heidelberg). Korrespondierende Autorin: PD Dr. med. dent. Caroline Sekundo, Universitätsklinikum Heidelberg, Poliklinik für Zahnerhaltungskunde, Sektion für Präventive und Restaurative Zahnheilkunde, Im Neuenheimer Feld 400, 69120 Heidelberg, E-Mail: caroline.sekundo@med.uni-heidelberg.de
Interessenskonflikt: Die in diesem Artikel vorgestellten Ergebnisse zur Größensystematik von Interdentalbürsten basieren auf einer von den Autoren initiierten und unabhängig durchgeführten Studie. Die Firma Dentaid unterstützte die Studie finanziell sowie durch technische Produktentwicklung, ohne Einfluss auf das Studiendesign, die Datenauswertung oder die Interpretation der Ergebnisse zu nehmen. Es bestehen keine finanziellen Interessen, Patente o. Ä. der Autoren im Zusammenhang mit dem vorgestellten Produkt.
Literaturverzeichnis
1. Löe H. Mechanical and chemical control of dental plaque. J Clin Periodontol. 1979;6:32-6.
2. Löe H. Oral hygiene in the prevention of caries and periodontal disease. Int Dent J. 2000;50:129-39.
3. Galgut PN. The need for interdental cleaning. Dent Health (London). 1991;30:8-11.
4. Cepeda MS, Weinstein R, Blacketer C, Lynch MC. Association of flossing/inter-dental cleaning and periodontitis in adults. J Clin Periodontol. 2017;44:866-71.
5. Marchesan JT, Morelli T, Moss K, et al. Interdental cleaning is associated with decreased oral disease prevalence. J Dent Res. 2018;97:773-8.
6. Shi L, Zhu Z, Tian Q, He L. Association of interdental cleaning and untreated root caries in adults in the United States of America. Int Dent J. 2023;73:819-27.
7. Jordan RA, Bodechtel C, Hertrampf K, et al. The Fifth German Oral Health Study (DMS V) – rationale, design, and methods. BMC Oral Health. 2014;14:161.
8. Hoenderdos NL, Slot DE, Paraskevas S, Van der Weijden GA. The efficacy of woodsticks on plaque and gingival inflammation: a systematic review. Int J Dent Hyg. 2008;6:280-9.
9. Graetz C, El-Sayed K, Sälzer S, Dörfer C. S3 Leitlinie „Häusliches mechanisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis“. DG Paro, DGZMK 2018.
10. Sekundo C, Staehle HJ. Mapping the product range of interdental brushes: sizes, shapes, and forces. Oral Health Prev Dent. 2020;18:343-54.
11. International Organization for Standardization. ISO 16409:2016 Dentistry - Oral care products - Manual interdental brushes. 2016.
12. Staehle HJ, Frese C, Sekundo C. Mechanical plaque control of the interdental space with the "Heidelberg set". Quintessence Int. 2021;52:176-86.
13. Sekundo C, Ottensmeier F, Rues S, Staehle HJ, Pujades M, Frese C. Creation of a systematic interdental brush set based on the passage hole diameter (PHD) – An in-vitro study. Oral Health Prev Dent. 2024;22:409-16.
14. Staehle HJ, El Sayed N, Bäumer A. Mechanische Interdentalraumhygiene bei Implantatträgern. Zahnmedizin up2date. 2016;10:539-58.
15. Worthington HV, MacDonald L, Poklepovic Pericic T, et al. Home use of interdental cleaning devices, in addition to toothbrushing, for preventing and controlling periodontal diseases and dental caries. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2019;4:Cd012018.
16. Geisinger ML, Ogdon D, Kaur M, Valiquette G, Geurs NC, Reddy MS. Toss the floss? Evidence-based oral hygiene recommendations for the periodontal patient. Clin Adv Periodontics. 2019;9:83-90.
17. Wiesmüller V, Kasslatter M, Zengin B, et al. Cleansing efficacy of an oral irrigator with microburst technology in orthodontic patients. Clin Oral Investig. 2023;27:2089-95.
18. van der Weijden F, Slot DE, van der Sluijs E, Hennequin-Hoenderdos NL. The efficacy of a rubber bristles interdental cleaner on parameters of oral soft tissue health – a systematic review. Int J Dent Hyg. 2022;20:26-39.
19. Basner R, Santamaría RM, Schmoeckel J, Schüler E, Splieth CH. Epidemiologische Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe 2016. Bonn: DAJ; 2017.
20. Jordan AR, Micheelis W. Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). Köln: Deutscher Zahnärzte Verlag DÄV; 2016.
21. Wolff A, Pritsch M, Dörfer C, Staehle HJ. Experimental study determining the mechanical properties of dental floss holders. Clin Oral Investig. 2011;15:417-25.

