Cover PI 4_16

Kariesdetektion und -therapie: Individuell und wirksam

Ein Wissenschaftsbeitrag aus der PI 4/2016. Von Frank Schwendicke.

Quintessenz für das Praxisteam

Bei der Wahl verschiedener Kariesdetektionsmethoden sollten:
1. Methoden patienten oder populationsspezifisch eingesetzt werden (in Niedrigrisikopatienten kann eine weniger sensitive Detektionsmethode möglicherweise ausreichend sein),
2. unsichere Befunde mit einer zweiten Methode gegengeprüft und so verifiziert werden und
3. aufgefundene frühe Läsionen non- oder mikro-invasiv, nicht aber restaurativ therapiert werden. Gerade durch die Wahl „sicherer“ Behandlungen (z. B. Fluoridierung, Versiegelung) kann das Risiko, das
sich aus einer falsch-positiven Detektion ergibt, verringert werden.

Zusammenfassung

Um kariöse Läsionen ohne die Platzierung einer Restauration therapieren zu können (z. B. mittels non- oder mikro-invasiver Behandlungen), ist eine frühzeitige Detektion
der Läsionen notwendig, da kavitierte (weit vorangeschrittene) Läsionen nach heutiger Auffassung noch immer einer invasiven Behandlung (Restauration) bedürfen. Viele moderne Detektionsmethoden
zielen daher auf die Detektion früher Läsionen ab. Diese Methoden bergen jedoch auch ein relativ hohes Risiko falsch-positiver Detektionen, gerade für die Identifikation früher Läsionen, und sollten daher kritisch eingesetzt werden. In Patienten mit niedrigem Kariesrisiko (und einer geringen Wahrscheinlichkeit, kariöse Läsionen aufzuweisen) neigen diese Methoden zu Überdetektionen. Dieses Risiko kann verringert   werden, wenn eine zweite Detektionsmethode zur Verifizierung des ersten Befundes eingesetzt wird. Vor allem aber sollten frühe Läsionen non- oder mikro-invasiv, also beispielsweise durch Fluoridierung oder Versiegelung, statt durch invasive Behandlungen therapiert werden.

Summary

Early detection of carious lesions allows controlling for lesion-causing factors and lesion activity instead of mere removal of the lesion. Modern detection methods therefore, aim for high sensitivity especially
for early (non-cavitated) lesions, as only such non-cavitated lesions can be treated non- or micro-invasively, i.e. do not require invasive (restorative) therapy. Such sensitive detection methods, however, have limited specificity, i.e. high risks of false-positive detections, especially in patients with low caries risk (patients with low chance of having carious lesions). The risk of the subsequent over-detection can be reduced by using sensitive methods carefully, especially in low-risk patients, and by combining different methods (i.e. using a second detection method to verify initial detections). More important, detected early lesions should be treated non- or micro-invasively instead of restorative, as any harm stemming from this treatment in case of false-positive detections is low.

Cover 4_16

Abo und Testausgabe

Lesen Sie unsere fachlich fundierten Artikel zur zahnmedizinischen Forschung in der aktuellen Ausgabe unseres Printmagazins. Klicken Sie hier, um ein Abo abzuschließen. Möchten Sie eine Testausgabe erhalten, so wenden Sie sich bitte an: abo-service@dhug.de.

 

Mehr: